Im Gespräch mit Oliver Gassner über ein Curriculum zu (Musik-)Business im Social Web
28 05 2008Vorletzte Woche fanden Oliver Gassner (hier sein Blog + Twitter) und ich endlich zusammen und redeten unter anderem darüber, was man einem jungen Digital-(Musik-)Unternehmer beibringen sollte, um ihn auf das Wirtschaften im Social Web vorzubereiten. Die Erkenntnisse aus unserem Gespräch hier kurz zusammengefasst:
Die Vorlesungen mal außen vor gelassen, solle man angehende Digital (Music) Entrepreneure vor allem dazu motivieren, das Social Web selbst zu bevölkern und zu nutzen. Es sei wichtig, sich dem Markt aus der eigenen Konsumentenrolle heraus zu nähern und zu verstehen, wie “die Mehrheit das Netz nutzt”. Für die Ausbildung würde das in meinen Augen bedeuten, dass regelmäßige Übungen, sowie gemeinsame studentische “digitale Safaris” veranstaltet werden sollten.
Zudem solle man dem Digital Entrepreneur die verschiedenen Geschäftsmodelle aufzeigen, sowie Best Practice Beispiele erfolgreicher Unternehmen vorstellen. Gibt es irgendwo eine entsprechende Sammlung dazu? Kennt jemand Literatur (auch digitale) in dieser Richtung?
Jetzt zu den Ergebnissen von Oliver´s Brainstorming:
Strategisch
In erster Linie muss der Digitalunternehmer über das Zusammenspiel von Crowdsourcing und P2P-Collaboration im Bilde sein - Stichwort: Wikinomics. Außerdem sei das Wissen um den Abstieg der großen Marken und Angebote zu Gunsten der “Kleinen” wichtig (-> Long Tail), sowie die zu erwartende Struktur (Marktanteile) eines solchen Marktes.
Marketing
Hier sei die steigende Bedeutung von Viralität (-> Virales Marketing) bzw. Word-of-Mouth wichtig. Auch die Diskussion darüber, ob in Zukunft noch mit Kopien Geld verdient werden kann, oder nur noch mit Präsenz (für Letzteres optiert laut Oliver Gassner Seth Godin, gibt´s dazu einen Link?).
Recht
Die heißesten rechtlichen Themen im Social Web seien Fragen wie “Über was darf ich als Blogger reden?”, “Wie gehe ich mit Leuten um, die über meine Marke bzw. meinen Künstler sprechen?”, “Wer darf in welcher Weise Daten nutzen, die bei der Community-Nutzung anfallen (Profilangaben, persönliche soziale Netzwerke, Twitter-Posts etc.)? Wann wird die für urheberrechtlichen Schutz notwendige Schöpfungshöhe erreicht?” Auch das Thema anonyme Netznutzung vs. Datenspeicherung spiele eine wichtige Rolle.
Kultur
Für die so genannten “Digital Natives” seien das Digitale und das Virtuelle das Selbe. Durch mobile Endgeräte wachsen beide Welten zusammen. Dazu fällt mir ein nettes Zitat von Gerd Leonhard aus seinem Buch Music2.0 ein:
In fact, I would venture to say that within five to seven years most “digital natives”
in most rich countries won’t even comprehend what “offline”
even means (except for, hopefully, for describing a certain frame of mind).
Für digitale Entrepreneure gilt es also, sich vorstellen zu können, wie eine solche “Augmented Reality” aussehen könnte. Außerdem sollte man die Elemente der Netzkultur auf dem Schirm haben, die da stichwortartig wären: Attribution, Wissenschaftskultur, Beta-Konzept, Kollaboration, Sharing, Netiquet (kommunziere sinnvoll, nicht zu viel, nicht zu wenig), Netzdenke (sei konservativ bei dem, was Du an Informationen abschickst). Zudem sei das Netz größer als das Web - man müsse die genaue Bedeutung Cyberspace und Virtualität kennen.
Praktisches “Handwerkszeug” zur Künstlervermarktung
Welche digitalen Tools, Anwendungen, Softwares etc. sollte man bedienen können, um Inhalte im Social Web zu vermarkten? Neben MySpace, Blogs, Podcasts, Twitter und Friendfeed helfen laut Oliver Gassner auch Grundkenntnisse in HTML, in der Bildbearbeitung und Tonaufnahme und -schnitt (für Interviews). Man solle zudem eine technische Neugier entwickeln, lernen, sich schnell in neuen digitalen Umgebungen zurecht zu finden und die verschiedenen Tools kreativ verbinden können.
Experten der digitalen Inhaltevermarktung
Zum Abschluss fragte ich Oliver Gassner erstens noch nach den Vordenkern der Inhaltevermarktung über das Internet…
Seth Godin, Steve Jobs (Tipp: 1984-Mac-Demo), Klaus Eck (Reputation, Online-PR), Martin Oetting (Blog, Virales Marketing), Andreas Milles (Spreadshirt, Brand-Evangelist, Crowdsourcing), Sarik Weber (Cellity, PR), Daniela Hinrichs (XING, PR/Blogger-Relations), Lars Hinrichs (XING-Embassador), Christian Clawien (Mister-Wong / Marketing), Alexander Wunschel aus München (Podcasting), Nicole Simon aus Lübeck (in USA ist alles anders, Silicon Valley). Stephan Uhrenbacher (Qype / Community-Management), Lukasz Gadowski (Spreadshirt / Long Tail, Entrepreneurship), Ute Moritz (auch lange bei Qype / Marketing), Ansgar Schmidt von IBM (Virtuelle Welten), Oliver Berger (soistdas.de /SEO mit Schwerpunkt Content), Franz Patzig (Mr. Barcamp” / Events), Tim Bornemann (hat Webmontag etabliert / Welchen Mix aus Virtualität und Real life hat er da verwendet?).
… zweitens nach interessanter Literatur …
Corporate Blogs: Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden
(Klaus Eck), Rivva.de (über was bloggt die Blogosphäre?), Deutscheblogcharts.de (was lesen die leute so?), basicthinking.de
… und drittens danach, was sein “Digitales Ich” geformt, ihn also am Internet tief beeindruckt hat:
Usenet, Muds (Tubmud Berlin), Mailinglisten, Feststellung: Online ist ein komplette Welt/Kultur da, unheimliche Vielfalt. Sehr schlaue Leute und Kreativität, die durch Kooperation noch gewinnen.






Seth Godin, deises Buch; http://www.amazon.de/Unleashing-Ideavirus-Marketing-Epidemics-Customers/dp/0786887176
Sollte es auf seinem website auch gratis als PDf geben
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