Music Recommender Systeme als Voraussetzung für die Erschließung des Long Tail
31 07 2008Das nächste kleine Kapitel meiner Bachelorarbeit, das die Bedeutung von Music Recommender Systemen unterstreichen soll. Freu mich auf Feedback!
Softwaresysteme zur Musikvermarktung als Voraussetzung für den Long Tail
Entscheidende Voraussetzung für die Realisierung des Long Tail ist laut Anderson eine Kostensenkung, die sich aus drei Faktoren ergibt. Der erste Faktor sei die Demokratisierung der Produktionsmittel. Die kostengünstigere Herstellung von Musikalben habe beispielsweiße im Jahr 2005 dazu geführt, dass 36 Prozent mehr Musikalben auf den Markt kamen.[1] Der Long Tail wird dadurch länger. Faktor zwei bestünde aus den gesunkenen Konsumkosten auf Grund der Demokratisierung des Vertriebes durch das Internet. Dies führe zu höherem Konsum und damit zur Verdickung des Long Tail.[2]
Für die vorliegende Arbeit ist der dritte Faktor entscheidend. Dies seien niedrigere Suchkosten bei der Suche nach Nischenprodukten, oder „die Verbindung von Angebot und Nachfrage. Dabei werden die Verbraucher mit den […] Artikeln bekannt gemacht, sodass sich die Nachfrage am Long Tail entlang nach rechts verlagert.“[3]
Die drei Wirkmechanismen, die den Long Tail Markt bestimmen[4]:

Anderson sieht demnach in Suchmechanismen, die das Auffinden relevanter (Nischen-)Inhalte erleichtern – die so genannten Long-Tail-Filter – ein entscheidendes Element zur Erschließung des Potenzials digitaler Märkte. Dazu zitiert er Rob Reid, einen der Gründer von Listen.com: „»In einer Welt der grenzenlosen Vielfalt ist der Kontext – nicht der Inhalt – König.«“[5] Eine Aussage, die auf ein zentrales Problem der neuen Angebotsvielfalt, den „Information Overload“, hinweist. Auch Stefan Wess - Geschäftsführer des THESEUS Konsortialführers Empolis[6] – stellt fest, dass die Internetnutzer „» … bei der Recherche im Web heute in der Informationsflut zu ertrinken [drohen]«“[7].
Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich die starke Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Softwaresystemen, die sich der Musikvermarktung auf digitalen Märkten annehmen. Ganz gleich, ob man sie wie Chris Anderson als Long-Tail-Filter, als Softwareagenten[8] oder wie DFKI[9]-Chef Wahlster als Antwortmaschinen bezeichnet[10] – „intelligente Software [wird] in Zukunft diese unüberschaubaren Informationen sortieren und bewerten helfen“[11] und dazu beitragen, eine reichhaltigere Musikkultur zu ermöglichen, wie es Anderson in Aussicht stellt:
„In gewisser Weise haben Filter die Eigenschaft, die Nachfrage am Long Tail entlang zu verlagern, indem sie Güter […] aufzeigen, die ansprechender sind als die Waren des kleinsten gemeinsamen Nenners, die die engen Vertriebskanäle des traditionellen Massenmarkts verstopfen.“[12]
„Weil Nischenprodukte nun leicht verfügbar sind, tritt die bislang latente Nachfrage nach nicht kommerziellen Inhalten deutlich zutage.“[13]
„Da [die Musikfans] nun die Möglichkeit haben, sich eine Boygroup auszusuchen oder etwas ganz Neues zu finden, entscheiden sich immer mehr für das Neue und sind mit dem, was sie finden, normalerweise auch deutlich zufriedener.“[14]
„Der Geschmack der Käufer ist vielfältiger geworden und hat sich in unzählige Subgenres aufgespaltet. Zumindest für den Bereich Musik ist offenbar das Ende der Hitära gekommen.“[15]
[1] vgl. Anderson 2006, S. 63 f
[2] vgl. Anderson 2006, S. 64 f
[3] Anderson 2006, S. 65
[4] Anderson 2006, S. 67
[5] Anderson 2006, S. 129
[6] THESEUS ist ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) initiiertes Forschungsprogramm mit dem Ziel, eine neue internetbasierte Wissensinfrastruktur zu entwickeln, um das Wissen im Internet besser zu nutzen und zu verwerten. Quelle: http://theseus-programm.de/
[7] Wirtschaftswoche, 2007/39, 24. 09. 2007: „Das Ende der Suche“. S. 125
[8] vgl. Wirtschaftswoche, 24. 09. 2007, S. 125
[9] DFKI ist die Abkürzung für Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (http://www.dfki.de/web)
[10] vgl. Wirtschaftswoche, 24. 09. 2007, S. 126
[11] Meisner 2004, S. 11
[12] Anderson 2006, S. 130
[13] Anderson 2006, S. 29
[14] Anderson 2006, S. 38
[15] Anderson 2006, S. 38
Kategorien : Automated Artist Promotion






